Dienstag, 5. Februar 2013

League of Ireland - Rückblick 2012 - Part II

Sein wir ehrlich: So richtig spannend war der Titelkampf am Ende nicht. Zu übermächtig präsentierten sich die Sligo Rovers im Fußballjahr 2012. Das lange warten auf den wichtigsten Titel im Irischen Fußball hatte damit nach über 35 Jahren endlich ein Ende. Im krassen Kontrast dazu steht die Saison des vermeintlichen Überteams aus Tallaght, das nach einer Horrsaison aber jeglichen Glanz verloren zu haben scheint. Als überraschender Titelanwärter präsentierte sich dagegen Drogheda United. Für den ganz großen Wurf reichte es zwar (noch) nicht, aber die Vizemeisterschaft dürfte fast den gleichen Stellenwert haben, für einen Klub der vor gar nicht all zu langer Zeit noch ums nackte überleben kämpfte. Ebenfalls ein Wort bei der Titelvergabe mitzureden hatten die Pats, die eine tolle Entwicklung unter ihrem neuen Trainer Liam Buckley nahmen, am Ende aber den Killerinstinkt ein klein wenig vermissen ließen.

In diesem zweiten Teil des Saisonrückblicks soll es nun vornehmlich um das Titelrennen gehen, darüber hinaus werden der Spieler- und die Elf des Jahres vorgestellt. Auch die Pokalwettbewerbe sollen natürlich nicht vergessen werden. 


Titelrennen: Magisches Sligo entzaubert enttäuschende Hoops

Eigentlich schien es eine klare Sache. Als haushoher Favorit gingen die Shamrock Rovers in die Saison 2012. Nur wenige zweifelten die erneute Titelverteidigung der Hoops ernsthaft an. Und warum auch?! Die Rovers verstärkten sich in der Saisonpause mit Spitzenleuten wie Killian Brennan, Daryl Kavanagh oder Ex Arsenal Verteidiger Kerrea Gilbert. Dazu wurde mit Stephen Kenny der Wunschmann verpflichtet für die Nachfolge des scheidenden Trainers Michael O'Neill. Die Rovers legten dann auch einen Traumstart in die neue Saison hin, gewannen vier der ersten fünf Ligaspiele. Doch bereits am sechsten Spieltag offenbarten sich erste Risse in der Grün-Weißen Traumwelt. Die 1-5 Klatsche im Derby bei den Pats, in einem Spiel in dem man phasenweise vorgeführt wurde, sollte nachdrückliche Auswirkungen haben. In den kommenden Wochen setzte es heftige Niederlagen in Sligo sowie das mittlerweile berühmt berüchtigte 0-4 im Derby bei den Bohemians. Von diesem Tag an waren die kritischen Stimmen in und um dem Klub, die eine Ablösung des Trainers forderten, nicht mehr zu überhören und jeder weitere Rückschlag für die Rovers zog die Schlinge um Trainer Stephen Kenny's Hals fester zu.

Mitte der Saison hinkten die Rovers ihren eigenen Ansprüchen dann letztlich Welten hinterher, eine Titelverteidigung war längst nicht mehr als nur noch ein Traum vergangener Zeiten. Mit Abstand betrachtet ist es beachtlich wie lange der Klub an seinem erfolglosen Trainer festgehalten hat, in der Hoffnung auf Besserung. Doch es kam der Tag, an dem es keine andere Entscheidung mehr geben konnte als Kenny zu entlassen. Die zweite Niederlage in der Saison gegen den Erzrivalen aus dem Norden Dublins, die Bohemians, brachte das berühmte Fass zum überlaufen. Ein trauriges Ende der kurzen Ära Kenny bei den Shamrock Rovers. Es sollte einfach nicht sein, irgendwie passte es von Anfang an nicht, auch weil viele der erfolgsverwöhnten Spieler schlicht satt waren, und Kenny sie nicht von ihrer Lethargie und Arroganz befreien konnte. Nachfolger Brian Laws war nicht viel erfolgreicher, kam aber ohnehin nur als Interimslösung in Frage und hat den Klub längst wieder verlassen nach Saisonende. Platz vier am Ende für die Rovers - das reicht nicht mal für Europa im neuen Jahr.


Meistermacher - Ian Baraclough
Ganz anders beim neuen Meister: Sligo Rovers! Genau 35 Jahre mußte man ganz im Westen an der Atlantikküste warten bis der Gewinn des wichtigsten Titels des Irischen Fußballs endlich wieder gefeiert werden konnte. Nachdem Sligo in den letzten Jahren bereits an der Meisterschaft schnupperte, war dem Klub in 2012 der Titel nicht zu nehmen. Sligo war eine Macht... eine Übermacht! Traumwandlerischer Kurzpassfußball, gepaart mit brutaler Effizienz, das sind die Eigenschaften die das Team von Ian Baraclough ausgezeichnet- und (fast) unschlagbar machten.

Bis zum vorletzten Spieltag leisteten sich die Rovers nur eine einzige Niederlage, der dramatische 3:2 Sieg über die St. Pats am 28. Spieltag brachte dann den ersehnten vorzeitigen Gewinn der Meisterschaft. Mark Quigley verwandelte kurz vor Abpfiff den entscheidenden Elfmeter in diesem Spiel und verwandelte gleichzeitig The Showgrounds in ein Tollhaus!

Letztlich kann man vor Sligo nur den Hut ziehen. Die Entwicklung des Klubs ging in den letzten Jahren stetig in die richtige Richtung. Doch statt den schnellen Erfolg zu erzwingen, hat man über die Jahre Kontinuität und Geduld bewiesen, sich so langsam von der grauen Maus zum Spitzenklub entwickelt. Was Paul Cook begann, führte Ian Baraclough weiter. Er impfte dem Team vor allem den zuvor oft vermissten Killerinstinkt ein. Das lag zum einen an der hervorragenden Verpflichtung von Angreifer Danny North, der vor der Saison von den Pats kam, und obwohl in der Rückrunde verletzt, es trotzdem auf 15 Tore brachte. Die wahre Stärke Sligos zeigte sich allerdings nachdem sich North schwer verletzte. Das Team reagierte im Stile einer Spitzenmannschaft darauf, andere Spieler sprangen nun in die Bresche, allen voran Mark Quigley, der in der Rückrunde schlicht "on fire" war. Aber auch Raf Cretaro oder Pascal Millien blühten richtig auf. Diese individuelle Klasse, in einer hervorragend funktionieren Einheit auf dem Platz, ist was Sligo vom Rest der Liga abgehoben hat. Eine besondere Erwähnung gebührt auch Joseph Ndo, dem kreativen Kopf des Teams. Er hatte schon vor zwei Jahren vom Titel gesprochen, als sonst niemand dies zu wagen geträumt hätte. Ndo hat am Ende Recht behalten. Welchen Wert dieser Titel für Ndo hat - bereits seine vierte League of Ireland Meisterschaft im übrigen - wird am Ende des folgenden kleinen Interviews sehr eindrucksvoll deutlich:



Was dieses Interview auch zeigt, und was die Worte von Ndo ausdrücken, ist das die Bedeutung von Titeln in dieser Liga nicht über Geld definiert werden, sondern über Stolz, Ehre und Leidenschaft. Wenn Ndos Stimme zum Ende hin brüchig wird, er nach Worten ringt, und sich tief bewegt zeigt, dann nimmt man ihm das ab, weil es ehrlich ist. Würde man English Premier League Spieler XYZ nach dem Gewinn der Meisterschaft ähnliche Worte abnehmen? Eher nicht...



 Drogs überraschen als Vizemeister - Pats mit Potential für mehr im neuen Jahr

DIE Überflieger der Saison waren ganz eindeutig die Drogs. Nachdem letzten Meistertitel im Jahr 2007 ging es nur noch rapide bergab, die letzten Jahre waren vom Kampf ums nackte Überleben geprägt, und ein ähnliches Szenario war nicht so unrealistisch auch für die Saison.2012. Wenngleich nicht wenige United durchaus auch eine solide Spielzeit voraussagten. So auch hier in diesem Blog, wo es im Guide vor der neuen Saison hieß: "Eine gute Saison ist zu erwarten, ein einstelliger Tabellenplatz allemal, was gleichbedeutend mit dem Klassenerhalt wäre."  Das Die Drogs dann aber so auftrumpfen würden, konnte selbst der kühnste Optimist nicht erwarten. Umso mehr muß man den Hut vor Trainer Mick Cooke ziehen, der maßgeblich verantwortlich für dieses kleine Wunder ist. Er bewies das richtige Händchen als er beispielsweise die Brennan Brüder aus Monaghan nach Drogheda lotste, in dem Glauben Sie hätten die Klasse für die Premier Division. Gleiches gilt für Declan 'Fabio' O'Brien, der seinen zweiten Frühling in dieser Saison erlebte und mit seinen 13 Toren entscheidenden Anteil am Erfolg der Drogs hatte. Letztlich kann man das Erreichte des Klubs im letzten Jahr nicht hoch genug einschätzen. Gekrönt wurde diese phantastische Spielzeit am Ende sogar noch mit dem League Cup. Die große Frage wird nun aber sein: Kann United dieses hohe Niveau halten? Das neue Jahr wird es zeigen. 

Eine gute Saison spielten auch die Pats, die am Ende Platz drei belegten. So ganz hundertprozentig zufrieden wird man in Inchicore aber vermutlich nicht sein, denn eigentlich war doch so viel mehr möglich. Mitte der Saison gab es durchaus noch eine realistische Chance auf den Meistertitel, wenngleich wir mittlerweile natürlich wissen das kein Kraut gegen Sligo gewachsen war. Aber zumindest die Vizemeisterschaft hätte es dann schon sein dürfen. So ein bisschen war es die Saison der vergebenen Chancen letztlich. Denn auch im Pokal schrammte man knapp am großen Triumph vorbei, mußte sich in der Verlängerung im FAI Cup Endspiel gegen Derry geschlagen geben. Dafür dürften die erneut großartigen Auftritte in Europa ein wenig entschädigen für eine weitere Titellose Saison. Immerhin in die dritte Qualifikationsrunde der Europa League schafften es die Pats, setzten sich gegen IBV aus Island, sowie Brijeg aus Bosnien durch, ehe gegen die Deutschen Vertreter von Hannover 96 Schluß war. Und So kann man trotzdem durchaus ein positives Fazit ziehen, auch wenn es am Ende nicht zum ganz großen Wurf gelangt hat. Die Pats zeigten über weite Strecken der Saison atemberaubenden Fußball, vor allem Riesentalent Chris Forrester stach in seiner ersten vollen Saison auf Premier Division Level heraus. Trainer Liam Buckley hat einen zweifelsohne tollen Job gemacht, und wenn die Pats noch etwas zielstrebiger im neuen Jahr sein könnten, dann hätten sie definitiv das Potential den Titel zu holen!



FAI Cup, League Cup, Setanta Cup - Pokalwettbewerbe in der Übersicht

In einem dramatischen FAI Cup Finale bezwang Derry die Pats mit 3-2 nach Verlängerung. Vor knapp 17.000 Zuschauern im Aviva Stadium gingen die Pats durch einen Traumfreistoß von Sean O'Connor in Führung, doch Derry konterte prompt. Zwanzig Minuten vor dem Ende brachte Rory Patterson die Candystripes in Führung, ehe Christy Fagan kurz vor Schluß die Pats in die Verlängerung rettete. Wie schon so oft zuvor, fehlte den Mannen von Liam Buckley auch in diesem Spiel der entscheidende Killerinstinkt, und so war es erneut Patterson der mit seinem zweiten Treffer im Spiel das alles entscheidende Tor erzielte und damit Derry den FAI Cup sicherte.

Drogheda United krönte eine herausragende Saison mit dem Gewinn des League Cups, in dessen Finale die Shamrock Rovers in Tallaght regelrecht demontiert wurden. Der Gesamt-Irische Setanta Sports Cup ging 2012 in einem komplett Nordirischen Finale an die Crusaders aus Belfast.. Die Crues siegten im Elfmeterschießen gegen Derry City. 




Die Blog 11 des Jahres 2012:

Torhüter:
Gary Rogers (Sligo Rovers)

Abwehr:
Ger O’Brien (St Patrick’s Athletic)
Evan McMillan (Bohemians Dublin)
Gavin Peers (Sligo Rovers)
Ian Bermingham (St Patrick’s Athletic)

Mittelfeld:
Ronan Finn (Shamrock Rovers)
Gavin Brennan (Drogheda United)
Chris Forrester (St Patrick’s Athletic)

Sturm:
Mark Quigley (Sligo Rovers)
Sean O’Connor (St Patrick’s Athletic)
Danny North (Sligo Rovers) 



Spieler des Jahres 2012:

Mark Quigley - Spieler des Jahres 2012
Mark Quigley - Zweifelsfrei, es gab durchaus eine ganze Reihe würdiger Bewerber für die Auszeichnung zum Spieler des Jahres; Aber keiner hatte so entscheidenden Anteil am Erfolg seiner Mannschaft wie Mark Quigley. Der exzentrische Offensiv-Allrounder gilt seit Jahren als Riesen Talent - ewiges Talent könnte man mittlerweile meinen. Von den Fußballerischen Fähigkeiten gehört er möglicherweise mit zu dem feinsten was Irland je zu Tage gebracht hat.

Leider trifft Quigley neben dem Platz dagegen nicht immer die weisesten Entscheidungen. Doch der Wechsel ins beschauliche Sligo scheint ihm gut getan zu haben. Die Ruhe und vor allem Konstanz die den Klub umgibt war augenscheinlich genau das was er benötigte um zu seiner Form zurück zu finden. allerdings war Quigley nicht sofort die erhoffte Verstärkung für die Rovers. Mit voranschreitender Zeit nahm er jedoch mehr und mehr entscheidenden Einfluss im Spiel Sligos, wenngleich Quigley erst nach der schweren Verletzung von Sligos Stürmerstar Danny so richtig aufblühte. Und so ist es auch eine unglaublich starke Rückrunde die ihm in erster Linie die Auszeichnung zum Spieler des Jahres einbringt. Denn der Druck auf Quigley war groß in jenen Monaten, die Verantwortung in der Offensive lag nach dem North Ausfall nun komplett auf seinen Schultern. Quigley stellte sich der Aufgabe und lieferte ab. Zehn Treffer erzielte der 26 Jährige in der Rückrunde, und hatte damit zweifelsfrei ganz maßgeblichen Anteil am Titelgewinn Sligos. Nicht zuletzt verwandelte er den alles entscheidenden Elfmeter gegen die Pats am drittletzten Spieltag - in der 92. Minute!

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